Presse

Unrentable Produkte werden zu spät aufgemöbelt

Unternehmensberater Gerhard A. Kluge im pressetext-Interview

Kaum Sortiment-Analyse bei KMUs - Kundenorientierung wichtig

Die Krise wird immer mehr Klein- und Mittelständlern zum Verhängnis. Häufig sind die Ursachen struktureller Natur und letztlich hausgemacht. pressetext sprach mit dem selbstständigen Unternehmensberater Gerhard Kluge bsu-kluge.de über die Wichtigkeit von Innovationen und die Straffung von internen Geschäftsabläufen. Neben der Bildung von Rücklagen in wirtschaftlich guten Zeiten spielt aber auch die kundenspezifische Ausrichtung von Produkten und Dienstleistungen eine zentrale Rolle.

pressetext:
Herr Kluge, 2009 stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Vergleich zum Vorjahr allein in Deutschland um 11,6 Prozent. Vor allem Mittelständler belastet der Kostendruck. Was machen die Unternehmen falsch?
Kluge:
Jedes Produkt und jede Dienstleistung, die mit Verlust verkauft wird, verringert den Gewinn und macht die Organisation schwerfällig. Oft werden zehn bis 15 Prozent an Waren mitgeschleppt, ohne dass die Unternehmen eigentlich wissen, um was es sich konkret handelt. Erst eine Vollkostenrechnung zeigt das wirkliche Ausmaß. Trotzdem haben gerade viele Klein- und Mittelständler von kalkulatorischen Kosten noch nie etwas gehört und wundern sich, wenn der Betrieb in Krisenzeiten nicht genug abwirft.

pressetext:
Sparen viele Unternehmen demnach an Innovationen?

Kluge:
Von einer Verfallzeit des bestehenden Sortiments wollen viele Betriebe nichts wissen. Daher wird nicht untersucht, ob es unrentable Produkte gibt und wie sich diese rechtzeitig aufmöbeln lassen. Denn je lokaler das Geschäft ist, desto mehr Zusatznutzen muss die Angebotspalette bieten. Bei einem großen Markt hingegen macht es die Masse. Worauf es ankommt, ist die Öffnung für ausländische Handelspartner. Und wenn man es gut macht, bekommt man auch die damit verbundenen Risiken in den Griff. Ein sensibles Gespür für Veränderungen und Chancen sowie geeignete Methoden helfen hier weiter.

pressetext:
Wie wichtig ist die präventive Schaffung einer "Komfortzone", in der sich Restrukturierungen oder ein Umdenken der Geschäftsstrategie in Betracht ziehen lassen?

Kluge:
Diese Maßnahmen müssen in wirtschaftlich guten Zeiten geschehen, denn in der Wirtschaftskrise hat man weniger Spielraum. Es hat keinen Zweck, sich gegen die Verfallzeit eigener Produkte zu wehren. Denn mit dem Herausnehmen von Waren, die oft nur mitgeschleppt werden, um ein abgerundetes Sortiment anbieten zu können, spart man viel Prozesszeit und damit Kosten. In guten Zeiten besitzen viele Unternehmen außerdem das Kapital, um Auslandskontakte aufzubauen und den Erfolg zu multiplizieren.

pressetext:
In Ihrem Buch "Unternehmenssteuerung mit 6 Erfolgsfaktoren" vertreten Sie die These, dass am Anfang jeder Sanierung die Straffung interner Geschäftsabläufe steht. Was nutzt dies jedoch, wenn die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen ausbleibt?

Kluge:
Die Anschubkraft für Kapital, Kunden und eine funktionierende Organisation liegt in der Geschäftsidee und dem Enthusiasmus. Lässt das Kundeninteresse nach oder beginnt die Konkurrenz in der Nähe ein ähnliches Programm, dann werden die Karten neu gemischt. Eine Anpassung ist nötig. Für die Unternehmen heißt das, angesammeltes Kapital rechtzeitig aus der Erfolgssäule "Kapital" in die Erfolgssäule "Absatzkraft der Produkte" fließen zu lassen. Das bleibt häufig aus, da sich viele in der Komfortzone sicher wähnen.

pressetext:
Das Beispiel Quelle zeigt, dass eine zu einseitige Bindung an Großkunden Folgen hat. Wie sinnvoll ist die flexible Anpassung an Boom- und Schwächephasen?

Kluge:
Sich mit bis zu 90 Prozent an einen Abnehmer zu binden, ist tödlich. Untersuchungen haben ergeben, dass erfolgreiche Unternehmen weniger engstirnig denken als "Flopper". Sie sind für Mitarbeiter, Kundenwünsche und für die Marktabsteckung offen. Wer sich hier zu ängstlich verhält, bleibt auf Dauer chancenlos. Denn die von starken Playern ausgehende Anziehungskraft lässt oft keine andere Möglichkeit zu. Wer dazu gehören will, muss sich mit Produkten und Dienstleistungen eine Alleinstellung verschaffen. Auf diese Weise haben viele Unternehmer das Innovationsrad mehrfach angedreht und sich hohe Exportanteile verschafft.

pressetext:
"Cash Is King" scheint für Unternehmen gerade in Krisenzeiten zunehmend an Bedeutung zu gewinnen. Was aber tun, wenn sich Banken bei der Finanzierung querstellen?

Kluge:
Banken stellen sich nur dann quer, wenn Sie von einem Engagement nicht überzeugt sind oder erkennen müssen, dass Geschäfte doch nicht so laufen, wie sich der Unternehmer das vorgestellt hat. Zeigt man dem Banker aber, wie aktiv man an der Optimierung der unternehmerischen Erfolgssäulen arbeitet, dann verbessert sich auch das Rating. Wenn man die Privatentnahmen im Rahmen hält, bleibt der Erfolg in der Regel nicht aus.

pressetext:
Welches Potenzial bieten Maßnahmen wie Outsourcing, Mergers oder übergreifende Kooperationen zwischen bereits angeschlagenen Firmen?

Kluge:
Die Entscheidung dafür oder dagegen hängt von der Auswahl des richtigen Partners und des richtigen Zeitpunkts ab. Schließlich haben Unternehmen unter Zeitdruck kaum noch Alternativen. Meist stellt sich erst im Nachhinein heraus, ob die Entscheidung richtig war oder nicht. Ein und dieselbe Maßnahme kann bei unterschiedlichen Partnern daher zu völlig anderen Ergebnissen führen. Der Zusammenschluss angeschlagener Firmen erhöht hingegen nur das Negativpotenzial.

pressetext:
Vielen Dank für das Gespräch.

pressetext Nachrichtenagentur

Frauen-Produkte für Unternehmen noch sekundär

Frauen als Zielgruppe für Unternehmen immer wichtiger

Weiblicher Ausgabenwert erhöht sich bis 2014 jedoch auf 15 Bio. Dollar

Unternehmen, allen voran Konsumgüterhersteller, sollten ihre Produkte künftig noch stärker auf die Bedürfnisse und Vorlieben von Frauen als wachsende Verbraucherschicht ausrichten. Die aktuellen Zahlen unterstreichen den Trend. Berechnungen der Managementberatung The Boston Consulting Group www.bcg.com nach sind Frauen weltweit im Schnitt für 70 Prozent aller Konsumausgaben verantwortlich. Vor allem in westlichen Wirtschaftsnationen wie Österreich, Deutschland sowie den USA geben immer mehr Frauen konsumbezogen den Ton an. Man geht davon aus, dass sich der jährliche Ausgabenwert von aktuell zwölf Bio. Dollar bis 2014 auf über 15 Bio. Dollar summiert - ein stark boomendes Segment für Unternehmen.

"Produkte, die speziell auf Frauen zugeschnitten sind, kommen immer mehr in Mode. Je nach Branche lassen sich immense Umsatzpotenziale ausschöpfen. Die Pharmaindustrie hat bereits gezeigt, dass es spezifische Medikamente für Frauen, Männer und Kinder gibt. Erst so lassen sich Segmente kreieren, die im Aufbau zwar viel kosten, sich langfristig aber auszahlen", sagt Unternehmensberater Gerhard Kluge www.bsu-kluge.de im Gespräch mit pressetext. Dass sich die spezifische Produktkonzentration auf Frauen lohnt, zeigt sich auch mit Blick auf die Einkommenssituation. Der Boston Consulting Group nach klettert das Fraueneinkommen bis 2014 auf 15,6 Bio. Dollar - im Vergleich zu heute sind dies um fünf Bio. Dollar mehr.

Weil auch die Zahl der berufstätigen Frauen weltweit bereits auf eine Mrd. gestiegen ist und in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich auf 1,2 Mrd. steigen wird, bieten sich für viele Unternehmen lukrative Absatzchancen. "Segmentbezogene, eher kleinere Losgrößen in der Produktion sind ein nachhaltiger Trend. Obwohl vor allem Branchen wie die Lebensmittel-, Bekleidungs- und Kosmetikindustrie die Zeichen der Zeit erkannt haben, hinken andere noch immer hinterher", so Kluge gegenüber pressetext. Diese Einschätzung deckt sich auch mit den Ergebnissen der Boston-Consulting-Group-Erhebung, für die 12.000 Frauen aus 22 Ländern befragt wurden. Männerdomänen wie Versicherungen und Banken schneiden schlechter ab.

Der Nachholbedarf in bestimmten Branchen wie der Automobilindustrie zeigt sich anhand der Antworten der Befragten. Knapp die Hälfte der interviewten Frauen gab an, von Unternehmen der Auto- und Finanz- sowie Versicherungsbranche sehr enttäuscht zu sein. Wer am Klischee festhält, dass sich Frauen nicht für Technik oder Geld interessieren, vergeudet Wachstum, heißt es in der Untersuchung. Um die Konsumenten der Zukunft zu gewinnen, kommt es darauf an, die Werte, Wünsche und Aktivitäten ihres Alltagslebens im Zusammenhang zu sehen. Durch ein "eindimensionales Denken und schlichte Steigerungslogik" seien die Grundlagen gelegt, die in einer zunehmend von weiblichen Konsumentscheidungen geprägten Wirtschaftswelt (erneut) in eine männlich geprägte Krise führen, so das abschließende Untersuchungsfazit.

pressetext Nachrichtenagentur

Risikomanagement für Geschäftsreisen oft ignoriert

Risiko von Wirtschaftsspionage auf Geschäftsreisen hoch

Sensibilisierung von Mitarbeitern und Kostenanalyse gefordert

Nur jedes dritte deutsche Unternehmen bindet das Risikomanagement für Geschäftsreisen in sein Gesamtmanagement zur Absicherung mit ein. Einer Erhebung des Verbands Deutsches Reisemanagement vdr-service.de zufolge besteht zum Großteil ein Nachholbedarf bei der Integration des oft allein betrachteten Risikomanagements für Geschäftsreisen in ein übergeordnetes Managementsystem. Das sei ein Problem, weil sich die Risiken, mit denen Reisende konfrontiert sein können, oft nicht nur auf vermeintlich unsichere Gebiete beziehen.

Kostenbetrachtung wichtig

"Das Reiserisiko sollte bei Unternehmen in der Reisekostenanalyse Berücksichtigung finden. Auch kommt es auf die Größe der Firma an, inwieweit man spezielle personelle Ressourcen wie einen Sicherheitsverantwortlichen damit beauftragt, einen Risikokatalog zu erstellen und den reisenden Mitarbeiter auf Gefahren vorab hinzuweisen", erläutert Unternehmensberater Gerhard Kluge bsu-kluge.de im pressetext-Gespräch. Dem Experten nach hängt der Grad des Risikomanagements aber immer auch von der jeweiligen Unternehmensstruktur ab.

Die an der Risikomanagement-Studie beteiligten Experten der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften ostfalia.de haben ermittelt, dass trotz Risiken nur die Hälfte der Firmen, die bisher auf ein Risikomanagement verzichtet haben, ein solches einführen wollen. Kosten spielen jedoch häufig eine untergeordnete Rolle. Vielmehr fehle es an Zeit, Know-how sowie dem Bewusstsein, dass ein Risikomanagement Unternehmensexistenz und -erfolg sichern und Risikokosten minimieren kann. Denn plötzliche Begebenheiten können schnell teuer werden.

Risiko häufig massiv unterschätzt

"Die Bandbreite an Gefahren ist groß und fängt bei gestohlenen oder vergessenen Laptops an und hört bei Unfällen oder terroristischen Anschlägen auf. Allein aus Kostengründen tun viele Unternehmen gut daran, vor einer Reise zu ermitteln, ob es nicht zeit- und kostengünstiger ist, Mitarbeiter anstatt mit dem Auto, lieber mit dem Flugzeug reisen zu lassen", merkt Kluge auf Anfrage von pressetext an. Insbesondere die Gefahr der Wirtschaftsspionage sollte bei Reisen nicht unterschätzt werden, da sie zur Gefährdung des gesamten Unternehmens führen kann.

Die Umfrage hat gezeigt, dass eine aktive Risikokommunikation und -vorbereitung vonseiten des Unternehmens trotz allen Mahnens nach wie vor kaum eine Rolle spielt. Zwar werden in rund 90 Prozent der Unternehmen die Geschäftsreisenden durch generelle Maßnahmen wie Impfungen und Versicherungen vorbereitet. Aktive Informationsmaßnahmen wie Seminare oder Gespräche mit dem hauseigenen Risikomanager finden jedoch in weniger als 50 Prozent der Betriebe statt. So bereiten sich noch immer drei Viertel der Reisenden selbstständig vor.

pressetext Nachrichtenagentur

CO2-Bilanz: Konzerne schießen Zulieferer ab

Unternehmen sollten auf eigene CO2-Bilanz achten

Wenig Gefahrenstoffe und Energieeinsparung als Auswahlkriterien


Unternehmen, die sich künftig nicht aktiv für eine Verbesserung der eigenen CO2-Reduktion einsetzen, werden für Industriekunden langfristig unattraktiv und bleiben auf der Strecke. So erwarten einige weltweit agierende Konzerne bereits heute schon von ihren Zulieferern, dass sie entsprechende Maßnahmen zur Vermeidung von Treibhausgasen implementieren. Wie die Unternehmensberatung A.T. Kearney atkearney.com festgestellt hat, wird dieser Aspekt zunehmend ein wichtiges Auswahlkriterium für die Zusammenarbeit mit Zulieferbetrieben.

Noch viel Nachholbedarf

"Trotz oder gerade wegen der Wirtschaftskrise zeigt sich generell der Trend zu Nachhaltigkeit unter Berücksichtigung von Umweltaspekten bei der Auftragsvergabe an Unternehmen", sagt Unternehmensberater Gerhard Kluge bsu-kluge.de im Gespräch mit pressetext. Dem Experten nach ist es insbesondere für Zulieferbetriebe des produzierenden Gewerbes wichtig, Gefahrenstoffe zu vermeiden und Energie beim Herstellungsprozess einzusparen. Obwohl die Lage besser geworden ist, attestiert A.T. Kearney vielen Unternehmen großen Nachholbedarf.

Erhobenen Daten für den zweiten Jahresbericht des Supply Chain Programms der Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) nach werden sich künftig mehr als die Hälfte der international führenden Konzerne gegen Zulieferer entscheiden, wenn diese ihre CO2-Reduktion nicht verbessern. Zu den Mitgliedern des Supply Chain Programms zählen globale Unternehmen wie Dell, Juniper Networks, National Grid, PepsiCo und Reckitt Benickiser. Diese halten Zulieferer dazu an, im Zuge des Programms die Daten offenzulegen.

CO2-Thema erreicht Vorstandsebene

Die 44 Mitglieder des CDP-Programms sind in ihren spezifischen Branchen Vorreiter für das CO2-Managament und stellen entsprechende Anforderungen an ihre Lieferanten. Die Zahlen verdeutlichen die gegenwärtigen Trends. 91 Prozent der Mitgliedsunternehmen verfügen über einen Verantwortlichen für den Klimaschutz auf Vorstandsebene. Fast genauso viele Firmen haben ein Programm zur Reduktion klimaschädlicher Emissionen oder des Energieverbrauchs gestartet. "Bei hohem Kostendruck ist dies jedoch schwierig", so Kluge gegenüber pressetext.

Der Bericht macht deutlich, dass immer mehr Unternehmen in den nächsten fünf Jahren dem Klimaschutz dreimal mehr Bedeutung zumessen als traditionellen Aspekten der Beschaffung. Nicht verwunderlich also, wenn manche Unternehmen schon jetzt von ihren Lieferanten eine Reduzierung der Treibhausgase als geschäftliches Kernthema verlangen. Trotz der Forderung ist es für rund 80 Prozent der Unternehmen schwierig, eine Emissionsmessung in der eigenen Lieferkette umzusetzen. Langfristig können

pressetext Nachrichtenagentur

Den Mitarbeitern auf den Zahn gefühlt

Den Mitarbeitern auf den Zahn gefühlt

Mitarbeiter sollen begeistert ihrem Job nachgehen – das ist zumindest der Wunsch der Arbeitgeber. Oft scheitert diese Begeisterung aber am Betriebsklima, mangelnder Kommunikation oder der Unterforderung der Mitarbeiter. Mit Klausurinterviews lassen sich die Wünsche und Bedürfnisse der Mitarbeiter ergründen – zum Nutzen beider Seiten.

Wie aus der Leser-Umfrage in der E&E-Ausgabe 3 hervorgeht, besteht ein erheblicher Änderungsbedarf in Bezug auf die Erfüllung der beruflichen Bedürfnisse der Beschäftigten. Insgesamt kommt das Betriebsklima nicht gut weg und auf die Frage „Was würden Sie anders machen, wenn Sie Chef wären?“, ergaben die Antworten folgende Rangfolge:

  1. Kommunikation verbessern
  2. Mitarbeiter beteiligen/in Entscheidungen einbinden
  3. Mitarbeiter motivieren, fördern, unterstützen
  4. Klare Strukturen, Prozesse und Verantwortungen schaffen
  5. Aufgaben delegieren, Mitarbeitern vertrauen
  6. Weiterbildung fördern


Solche Ergebnisse sind typisch und ziehen sich über alle Wirtschaftszweige hinweg. Sie deuten darauf hin, wo die Ursache liegt: Mitarbeiter haben von Natur aus Freude am Gestalten und wünschen sich nichts sehnlicher als den Erfolg ihres Arbeitgebers. Werden sie jedoch längere Zeit daran gehindert, eigene Ideen einzubringen, an Entscheidungen teilzuhaben und ihrem Wissen und Können anforderungsgerecht eingesetzt zu werden, steigert sich die Unlust bis zur Frustration. Das Engagement nimmt ab, und sie tun nur noch das Notwendigste, um ihre Einkommensquelle nicht zu verlieren. Wird die Arbeit stattdessen den Bedürfnissen der Mitarbeiter angepasst, wirkt das wie ein Turbolader. In mindestens vier der sechs Kriterien versteckt sich dahinter das Bedürfnis nach einem interessanten Arbeitsinhalt. Sobald dieser interessant ist und darin eine Erfüllung gesehen wird, wird manches in Kauf genommen und die natürliche Leistungsbereitschaft wächst. Wird der Tagesablauf überwiegend von Routine- und Hilfstätigkeit bestimmt, nimmt die Aufmerksamkeit ab. Monotonie und Langeweile stellen sich ein, Unzufriedenheit nimmt zu. Das ist nicht neu. Allerdings gewinnt das Thema dadurch an Gewicht, weil es eine der negativen Folgeerscheinungen der gerade überwundenen Finanz- und Wirtschaftskrise ist. Viele Betriebe trennten sich von entbehrlichen Leuten, die heute fehlen. Die Arbeit ist jedoch die gleiche geblieben, nur wird sie jetzt anders verteilt und ein Großteil davon bleibt an der Stammmannschaft hängen. Die besser ausgebildeten Leute sind gezwungen, diese, nun zunehmend aus Routine- und Hilfstätigkeiten bestehende, Arbeit mit zu erledigen. Überforderung führt zum Burnout. Auch für Unterforderung gibt es einen neuen Begriff: Boreout. Die gesundheitsschädigenden Folgen sind die gleichen. Aber purer Aktionismus führt in dieser Situation nicht weiter. Jedes Pauschalieren ist zu vermeiden. Also muss man weg von der Gießkanne. Denn nicht jeder Arbeitnehmer spricht auf Weiterbildungsangebote an, wünscht sich mehr Verantwortung, ist ein Teamplayer oder interessiert sich für einen anderen Arbeitsplatz.
Das Ziel ist klar – aber wie kommt man dahin?

Es ist wichtig zu wissen, wie der Motivationskranz jedes einzelnen Beschäftigten in seinen Grundzügen beschaffen sein muss, damit später an der Position in der Engagementpyramide erkennbar wird, welche Wirkung die eingeleiteten Schritte erbracht haben. Worin bestehen denn nun die berufsbedingten Bedürfnisse? Abraham Maslow, Frederick Herzberg, Mc Gregor, Victor Vroom, um nur einige zu nennen, haben uns das vorgemacht. Wir brauchen sie nur abzufragen, die Motivationsfaktoren und Hygienefaktoren. Erstere führen unmittelbar zur Verbesserung, während Letztere vom Arbeitgeber oftmals als gegeben betrachtet werden, es meist aber nicht sind.
Lösungsweg

Viel mehr Potential als in Fragebögen steckt in der Durchführung von Klausurinterviews, da diese zu tiefgreifenderen Erkenntnissen beitragen. Mit der Frage „Warum?“, wird erkundet, warum bestimmte Bedürfnisse beruflicher Art nicht oder nur teilweise als erfüllt angesehen werden, und wie dieses Vakuum am ehesten geschlossen werden kann. Entfalten lässt es sich dort, wo die Umgebung es zulässt, d.h., eine Art Wohlfühlklima herrscht, das sich allerdings für jeden anders anfühlt. Bei dieser Art der Befragung hat jeder Mitarbeiter die Möglichkeit sein Defizit auszudrücken. Etwa so: „Sie sagten gerade, dass Ihr Bedürfnis nach Weiterbildung nur zu 70 Prozent erfüllt sei, was wären denn dann 100 Prozent?“ Die Antwort lautet dann beispielsweise: „Ich verspreche mir von einem CAD-3D-Kurs, dass ich meine kreative Ader noch besser zum Ausdruck bringen kann.“ Oder bezogen auf den Arbeitsinhalt. „Bei den nun schon chronisch gewordenen, monotonen Routine- und Füllaufgaben kommt mein Talent nicht ausreichend zur Geltung. Das wäre an dem Platz … eher der Fall. Dort könnte ich das Mehrfache leisten.“ Sätze fallen auch wie „statt im Prüflabor wäre ich gern im Vertrieb, weil ich Kundenkontakt liebe. Das habe ich immer schon gern gewollt“. Wichtig ist dabei, dass es nicht bei einer einmaligen Erhebung bleibt, sondern dass in etwa ein- bis zweijährigem Rhythmus eine Wiederholung stattfindet, um dann in einen kontinuierlichen Prozess einzumünden – mit dem Ziel, das Engagement des Mitarbeiterstammes kontinuierlich zu verbessern. Um einen echten Vergleichsmaßstab zu haben, sind die Interviews immer unter den gleichen Bedingungen durchzuführen. Besonders dann, wenn die Erkenntnisse für Qualitätsnachweise genutzt werden. Dazu gehört: möglichst derselbe Interviewer (am besten von außen zur Wahrung der Anonymität), dieselbe Fragestellung, die gleiche Örtlichkeit, der gleiche Zeitpunkt. Die Auswertung erfolgt gruppen- und abteilungsweise, wobei Rückschlüsse auf die Aussagen einzelner Personen über die Befragungsnummer gegeben sind, die allerdings nur der Interviewer kennt. Das ist wichtig, damit alles anonym bleibt, was über den Förderansatz hinausgeht
Nutzen für Unternehmen und Mitarbeiter

Solches Wissen nutzt dem Unternehmen auf vielfältige Weise, auch wenn zugegeben werden muss, dass nicht jeder Mitarbeiter sofort seine Höchstleistung abrufen wird und einige vielleicht nie dazu bereit sein werden. Aber der Schub, der von einer solchen Befragungsaktion ausgeht, wird recht bald spürbar. Der Betrieb profitiert von der erhöhten Leistungsbereitschaft, einem besseren Ressourceneinsatz, verkürzten Durchlaufzeiten, geringerer Fluktuation und Krankmeldungen sowie von vermehrten Verbesserungsvorschlägen. Alles in allem ergibt dieses Bündel ein spürbar besseres Betriebsklima. Das rechnet sich sogar betriebswirtschaftlich, wenn den einzelnen Stufen monetäre Werte zugewiesen werden. Letztlich spürt das auch der Kunde, denn über den Weg der Mitarbeiterzufriedenheit entsteht Kundenzufriedenheit. Neueinstellungen werden überflüssig oder fallen geringer aus, was die Kostenseite entlastet.Der größte Nutzen für die Mitarbeiter liegt in einer die Gesundheit fördernden Arbeitsgestaltung, der Einbeziehung in die Belange des Unternehmens und ein Arbeitsalltag mit weniger Langeweile oder Überforderung.

Text: Gerhard Kluge, bsu Branchenspezifische Unternehmensberatung Foto: PressFoto, Gerhard Kluge

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