Der Ansatz: Blockdenken

Der neu in die Qualitätsnorm DIN-EN ISO 9001:2015 aufgenommene Grundsatz des risikobasierten Denkens führt dazu, dass sich sämtliche Betriebe, vom Büro, über die Öffentliche Hand bis zum Konzern nun ernsthafte Gedanken machen müssen, wie sie dieser Forderung nachkommen wollen. Denn das wird zukünftig ein Knackpunkt bei jedem jährlichen Audit sein. Nachweise vorlegen können, wo dieses Denken und Handeln geholfen hat die Gefahrenlage und die Ausschau sich anbietender Chancen zu verbessern.

Die Geschäftsleitung ist also gehalten nach einer geeigneten Methode Ausschau zu halten. Von der einfachsten Einteilung nach A B C über die SWOT-Analyse bis zum aufwendigsten Programm, ist alles dabei. In jedem Fall sind die Risiken und Chancen nach Schadenshöhe und Schadenshäufigkeit zu bewerten, ein abgestuftes Verfahren zur Risikominderung zu finden und nach Chancen Ausschau zu halten, die die Risiken und Gefahren kompensieren.

Wie sieht jedoch die Gegenwart aus: 62 Prozent gaben in einer Fraunhofer-Studie an, dass eine Risikoanalyse erst beim Auftreten von Fehlern am Produkt oder Prozess ansetzen. Etwa die Hälfte sehen in der fehlenden Festlegung, wie identifizierte Risiken unternehmensweit kommuniziert werden einen weiteren Grund. Zudem wird das identifizierte Risiko nicht ausreichend kontrolliert. Außerdem sei der Aufwand für FMEA zu groß und ließe zu großen Raum für die Interpretation der Ergebnisse.

Das Fazit lautet:
Vorbeugendes Risikomanagement wird selten praktiziert. Damit deckt Fraunhofer eine große Unsicherheit im Umgang mit Risiken auf, obwohl zwei Drittel der Teilnehmer darin einen großen Einfluss auf den Unternehmenserfolg sehen.


Ein Weg könnte im Blockdenken liegen. Blockdenken, wie wir es verstehen, deckt das dahinter-liegende Verlustpaket auf und öffnet den Kanal zum Chancenpotential, wodurch im Idealfall ein Chancen-Risiko-Mix entsteht. Der Block setzt sich aus vielen Einzelrisiken zusammen. Und erst die blockweise Zusammenfassung bildet die wahre Realität ab oder kommt dieser am nächsten.

Unterstützt durch ein Schulungsprogramm und in Work-Shops eingeübt, beginnen die Mitarbeiter die Risiken abteilungsweise zu identifizieren und sich Gedanken darüber zu machen, in welche der 6 Risikostufen diese einzuordnen sind, was vom Zeitpunkt des Erkennens abhängig ist. In diesen Work-Shops lernen die Mitarbeiter den Weg zur Risikoerkennung und –bewertung kennen, als Vorstufe für die Bearbeitung in einer speziell dafür entwickelten Excel-Anwendung.

Das Programm errechnet zunächst für jedes eingebundene Risiko die Schadenshöhe, in dem es:


In der Praxis überwiegt der verbliebene Risikoblock: Für den User bieten sich mehrere Wege, dem Übel entgegenzutreten:

  1. Die Verringerung der Ausfallwahrscheinlichkeit einzelner Risiken durch geeignete Gegenmaßnahmen
  2. das Vorziehen und damit die Erhöhung der Eintrittswahrscheinlichkeit einzelner Chancen
  3. der Ausgleich durch eine systematische Suche nach passenden neuen Chancen durch die Übernahme neuer Praktiken und Einsatz neuer Techniken, Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, Erschließung neuer Märkte, Aufbau von Partnerschaften und die Verringerung von Abfall/Ausschuss


Damit wird dem vielfach geäußerten Wunsch entsprochen, die gleiche Intensität bei der Chancensuche an den Tag zu legen, wie für die Identifikation an Risiken.

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