Geld für Gen Y trotz prekärer Lage sekundär

Junge Angestellte mit beständigem Dienstverhältnis achten mehr auf Gehalt und Sicherheit

Newcastle/Ehekirchen (pte001/27.03.2019/06:00) - Junge Menschen in prekären Arbeitsverhältnissen legen weniger Wert auf extrinsische Faktoren, wie Gehalt und Sicherheit, als Arbeitnehmer mit konstanter Festanstellung. Zu dem Schluss kommen Forscher der Newcastle University ncl.ac.uk . Eine weitere Rolle spielt demnach auch die Qualifikation: Fühlen sich Angestellte überqualifiziert, so sind ihnen Bezahlung und Arbeitsbedingungen wichtiger als jene, die sich nur als ausreichend ausgebildet einstufen.

Selbstentfaltung bei Jungen

"Wir entwickeln über die Jahre hinweg bestimmte Verhaltensprogramme, die mit unserer Erfahrung zusammenhängen und aus denen wir unsere Kompetenzeinschätzung entnehmen. Unsichere Arbeitsverhältnisse können hier zu einem geringen Selbstvertrauen führen, durch welches gewisse Forderungen, was das Gehalt und die Arbeitsbedingungen angeht, erschwert werden", so Unternehmensberater Gerhard Kluge bsu-kluge.de gegenüber pressetext.

"Vor die Wahl gestellt, intrinsische oder extrinsische Bedürfnisbefriedigung zu erleben, zieht die Y-Generation erstere vor. Dieser Generation ist Wohlgefühl und das Ausleben ihrer eigenen Individualität auch im Beruf wichtiger als Geld, solange es sich damit einigermaßen leben lässt (noch kein eigener Hausstand gegründet ist und die Miete bezahlbar)", resümiert Kluge. Das ändere sich gerade, zumindest in Deutschland.

Im Alter folgt dann die Umkehr

Als unsichere Arbeitsverhältnisse gelten beispielsweise Arbeitslosigkeit, befristete Verträge oder Null-Stunden-Verträge. Die Forscher haben sich in ihrer Studie auf Personen zwischen 18 und 35 Jahren in elf Ländern Europas fokussiert. Generell hat sich gezeigt, dass der Lebensabschnitt einen wichtigen Einfluss darauf hat, wie junge Menschen ihren Job und gewisse Motivationsfaktoren wahrnehmen. Personen in ihren Zwanzigern in unsicheren Arbeitssituationen schätzen intrinsische Aspekte, wie das Erlernen neuer Dinge und die Selbstentfaltung, mehr als Angestellte, die kontinuierlich fest beschäftigt sind.

In den Dreißigern kommt es zu einer Umkehr dieses Verhältnisses: Jene Personen mit prekären Arbeitsbedingungen legen nun weniger Wert auf die intrinsischen Faktoren als diejenigen, die konstant einer sicheren Anstellung nachgehen. Hier rücken extrinsische Anreize, wie Bezahlung und Sicherheit, in den Vordergrund. Laut den Forschern spiegelt dies eine veränderte Lebensphase wider, zu der es bei vielen Menschen in ihren Dreißigern kommt. Auch eine unterschiedliche Risikowahrnehmung gehe mit dieser Entwicklung einher.

"Die Erfahrung von Arbeitslosigkeit oder schlechte Arbeitsbedingungen zu einem frühen Zeitpunkt der Karriere können die individuellen Arbeitswerte und Motivationsfaktoren, wie Gehalt und Sicherheit, einer Person langfristig beeinflussen", schildert Emily Rainsford von der Newcastle University. Auch die Passung zwischen Qualifikationsprofil und Tätigkeit habe einen Einfluss darauf, welchen Stellenwert Bezahlung und Sicherheit haben.

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